Die deutsch-zyprischen Beziehungen sind eng und freundschaftlich. Seit der Unabhängigkeit der Republik Zypern im Jahr 1960 hat sich eine enge Zusammenarbeit entwickelt, die sich mit dem Beitritt Zyperns zur EU 2004 noch vertieft hat.
Die militärische Intervention der Türkei im Norden der Insel von 1974 hat das Land faktisch geteilt. Die Bundesrepublik Deutschland pflegt keine offiziellen Beziehungen zu der nur von der Türkei anerkannten so genannten "Türkischen Republik Nordzypern", hält jedoch vielfältige Kontakte zu Vertretern der türkisch-zyprischen Volksgruppe auf politischer und kultureller Ebene.
Zwischen der Republik Zypern und Deutschland bestehen enge und gute Beziehungen auf Regierungsebene. Diese haben sich wegen der besonderen Rolle Zyperns bei der Evakuierung von Flüchtlingen während des Libanonkrieges im Sommer 2006 und der sich anschließenden und nach wie vor andauernde Gastgeberrolle für das deutsche UNIFIL-MTF-Kontingent in Limassol/Zypern noch verstärkt.
Im Januar 2007 führte Bundestagspräsident Lammert Gespräche mit Staatspräsident Papadopoulos, Parlamentspräsidenten Christofias und weiteren zyprischen Parlamentariern.
Im April 2008 empfing Außenminister Steinmeier seinen zyprischen Amtskollegen Kyprianou zu einem Gespräch in Berlin.
Auch auf parlamentarischer Ebene besteht ein reger Austausch.
Schon früh nach der Unabhängigkeit Zyperns wurde zwischen beiden Ländern ein Handels- und Wirtschaftsabkommen abgeschlossen (1961), dem ein Luftverkehrsabkommen (1967), ein Doppelbesteuerungsabkommen (1974) und ein Abkommen über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr folgten (1980). Große Teile dieser Abkommen gingen ab 1987 in EU-Recht über, das seit dem 1. Mai 2004 mit dem vollzogenen Beitritt Zyperns zur EU auch in Zypern gilt. Hinsichtlich der paraphierten Neuauflage des Doppelbesteuerungsabkommens sind nur noch wenige offene Fragen zu klären.
Die deutsche Außenhandelsstatistik weist für 2007 (keine neueren Daten verfügbar) einen Exportüberschuss Deutschlands gegenüber Zypern in Höhe von 522,2 Mio. Euro aus; bei deutschen Exporten nach Zypern im Werte von 588,8 Mio. Euro und deutschen Importen aus Zypern im Werte von 66,6 Mio. Euro. In der für Zypern bedeutenden Tourismusindustrie rangierte Deutschland 2008 mit 132.058 Besuchern noch an vierter Stelle hinter Großbritannien (1,242 Mio.), gefolgt von Russland (181.000) und Griechenland (133.015). Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zeigen für 2009 jedoch eine Trendwende: obwohl die Zahl der deutschen Besucher pro Jahr seit 2005 um insgesamt 50.000 gesunken ist, stellen Touristen aus der Bundesrepublik mit 15.863 (Januar-April 2009) jetzt die zweitgrößte Gruppe nach den Briten (84.526). Eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Zypern gibt es auf dem Schifffahrtssektor: Zahlreiche deutsche Reedereien und Schiffsmanagement-Unternehmen haben ihren Sitz in Limassol auf Zypern.
Deutschland unterhält enge Kulturbeziehungen zu beiden Bevölkerungsteilen der Insel. Das deutsche Kulturinstitut (Goethe-Zentrum, GZ) in Nikosia setzt als private Kulturgesellschaft die Sprach- und Programmarbeit des 1999 geschlossenen Goethe-Instituts fort. In jeder Volksgruppe gibt es einen Kulturverein (Deutsch-Zyprischer Kulturverein im Süden und Deutsch-Türkischzyprischer Kulturverein im Norden), die eng mit dem Goethe-Zentrum und der Botschaft zusammenarbeiten. Darüber hinaus bereichern weitere deutsch-zyprische Vereinigungen (Deutschlehrer- und Ehemaligenvereine) das deutsche kulturelle Angebot auf der Insel. Ein Kulturabkommen mit der Republik Zypern wurde 1971 abgeschlossen.
Deutsch als Fremdsprache ist unter Griechenzyprern weniger verbreitet als im Norden der Insel. Im Süden spielt Deutsch im Fremdsprachenangebot der Schulen nach Englisch und Französisch nur als Wahlfach ab Klasse 11 neben Russisch eine Rolle und muss sich zunehmend der immer populärer werdenden italienischen und spanischen Konkurrenz erwehren.
Im türkisch besetzten Nordteil der Insel kann Deutsch bereits als zweite Sprache gewählt werden. Das Interesse an Deutsch als Fremdsprache ist aber auch dort zurückgegangen, seitdem Schüler Fremdsprachen zugunsten anderer Fächer abwählen können. Viele Zyprer aus beiden Volksgruppen haben in Deutschland studiert, nicht wenige mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und anderer Stiftungen. Seit Mai 1997 besteht an der Universität Münster ein Zentrum für interdisziplinäre Zypernstudien und seit dem Wintersemester 2003 ist erstmals ein DAAD-Lektor an der Universität von Zypern tätig. Weitere deutsche Dozenten an anderen höheren Bildungseinrichtungen im Süden und Norden der Insel tragen dazu bei, bestehende Hochschulkontakte zu vertiefen, neue zu knüpfen und das Interesse an einem Studium in Deutschland zu wecken.
Im Jahr 2004 wurde ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Hochschulabschlüssen (Äquivalenzabkommen) unterzeichnet, das den Zugang zyprischer und deutscher Studierender zu deutschen und zyprischen Hochschulen sowie die spätere Führung dort erworbener Hochschulgrade im jeweiligen Partnerland erleichtern soll.
Stand: Mai 2009




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